Druckansicht - Samstag 31. Juli 2010
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Bereits für den Gründervater Wilhelm Josef Sluka und seine Gattin Josefine
war höchste Qualität und Zuckerbäckerfertigkeit Garant
für einen ständig wachsenden Gästestrom und die immer größer werdende Schar an Stammgästen,
die von Kaiserin Sissi bis Oskar
Kokoschka reichte.

 

Der Geheimtreff der Wiener Gesellschaft seit der Jahrhundert- wende. - Bei Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft genau

so beliebt wie bei Künstlern oder Politikern.

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Die Geschichte


1891 gründete Wilhelm Josef Sluka in der Reichsratsstraße 13 (heute Rathausplatz 8) im 1. Wiener Gemeindebezirk in einem Ringstraßen-Palais der Gründerzeit eine Conditorei, die bald Weltruhm erlangen sollte. Innerhalb kürzester Zeit war es Wilhelm Josef Sluka und Gattin Josefine gelungen, zur führenden Konditorei Wiens aufzusteigen. Nach nur sechs Jahren wurde sein unermüdliches Wirken mit der Verleihung des "Hoftitels" durch das Herrscherhaus gewürdigt. Ab 1896 durfte er sich "k.u.k. Hofzuckerbäcker" nennen.

 

Das Geschäft, ausgestattet in einfacher, aber vornehmer Eleganz, war bald Treffpunkt der Wiener Gesellschaft. Kaiserin Elisabeth wusste die Güte und Exklusivität ebenso zu schätzen wie die Minister und Abgeordneten des benachbarten Parlaments, die Herren des Rathauses, die Schauspieler und Regisseure des k.u.k. Hofburgtheaters, der Adel und das Bürgertum.


Die Tradition besten Publikums hat sich, wie Eintragungen im Gästebuch bezeugen, bis heute erhalten. Dieses liest sich wie ein Auszug aus dem "Who is who" der Zweiten Republik. Die Bundespräsidenten von Dr. Karl Renner bis Dr. Kurt Waldheim, die Bundeskanzler und Bundesparteiobmänner von Dr. Alfons Gorbach bis zu Dr. Wolfgang Schüssel, die Wiener Bürgermeister von Dr. Theodor Körner bis Dr. Michael Häupl ließen und lassen sich die weit über Österreichs Landesgrenzen hinaus bekannten Köstlichkeiten, u.a. die "Sluka-Torte" im unvergleichlichen Ambiente unter den Gründerzeitarkaden schmecken.



Die Gründer


Wilhelm Josef Sluka (1861-1932) war ein Aushängeschild und Pionier des Wiener Conditoreihandwerks, das schon um die Jahrhundertwende seinen Siegszug um die Welt antrat. Wesentlichen Anteil an seinen Erfolgen hatte seine Gattin Josefine (1864-1954), die rastlos für die Ehre des Hauses arbeitete. Die hauseigenen Kreationen wie die "Sluka-Torte" (Schokobiskuit, Mandelweincreme mit Milchtunkmasse überzogen), "Nuß-Suffler" oder "Flora-Krapfler" werden noch heute nach den Originalrezepten hergestellt.

 

Wilhelm Josef Sluka war seiner Zeit immer einen Schritt voraus. So setzte er als erster Konditor Österreichs kleine Maschinen als Arbeitshilfe in der Backstube ein. Sein hoher Leistungsstandard wurde schon im Jahr 1898 im Rahmen einer Kochkunstausstellung prämiert.

 

Die Nachfolger

 

Wilhelm Josef Sluka fand in Alexander Jeszenitz einen würdigen Nachfolger. Jeszenitz genoss seine Ausbildung in der Konditorei Zwieback im 1. Bezirk und sammelte bei Gerbeaud, der ersten Adresse Budapests, wertvolle Erfahrungen. Jeszenits hatte bei der Übernahme die Räumlichkeiten neu adaptiert und dabei den alten, intimen Rahmen bewahrt. Die Konditorei Sluka blieb bis heute ein vornehmer Ort für Rendezvous der Wiener Gesellschaft. Spitzt man die Ohren, so kann man auch heute noch oft aus Gesprächen älterer Stammkunden heraushören: "Hier habe ich meine Frau zum ersten Kaffeeplausch eingeladen."

 

Alexander und Anna Jeszenits sorgten auch dafür, dass die Konditorei Sluka nicht nur für die Wiener, sondern auch für die Gäste aus dem In- und Ausland eine große Anziehungskraft ausübte. Jeszenits setzte nicht nur die Tradition der alten Rezepturen fort, sondern trat auch als Wegbereiter der modernen Backstube in die Fußstapfen Slukas. Er war es, der erstmals im Produktionsablauf kleine Elektromotoren einsetzte.

 

Die Bewahrer der Tradition

 

Seit 1960 führt die Familie Beranek die traditionsreiche Konditorei Sluka. Nach nur dreiwöchiger Renovierungszeit konnte das Ehepaar Beranek am 20. August 1960 die ersten Gäste empfangen. Die Räumlichkeiten wurden bei der Neugestaltung erhalten, die Beleuchtungskörper und Stuckaturen stammen noch aus der Gründerzeit. Geradezu revolutionär war die Anschaffung der ersten Kühlvitrine im Verkaufspult. Im Zuge der zweiten Renovierungsphase 1975 erhielt das Lokal sein heutiges Aussehen mit bequemen Polsterbänken und den typischen Wiener Thonet-Kaffeehausstühlen. Ständige Erneuerungen stellen sicher, dass das Lokal auch die heutigen Standards an Qualität und Gastlichkeit optimal erfüllt.

 



Treffpunkt der Künstler

 

In Literatur verewigt 

 

Der Name Conditorei Sluka fand dank des großen österreichischen Dichters Thomas Bernhard im letzten Akt des Aufsehen erregenden Stückes "Heldenplatz" Eingang in die Literatur. Bernhard selbst liebte die feinen Pasteten des Hauses. Ein "Streifzug" durchs Gästebuch zeigt, dass neben Politikern vor allem Künstler jeden Genres unter den Arkaden aus- und eingingen.

 

Die bildnerische Anekdote

 

Die Conditorei Sluka war gewissermaßen Steigbügelhalter für eine der größten Weltkarrieren eines österreichischen Malers des 20. Jahrhunderts. So saß einst ein Zeichenlehrer am Katheder und erzählte seinen Schülern ein Märchen. Anschließend sagte er: "Wer will, kann es illustrieren. Aber wenn einer von euch etwas Selbsterlebtes zeichnen will, ist es auch gut." - Ein kleines Mädchen nahm ihn beim Wort und zeichnete ein Bild der Conditorei Sluka, in der sie der Vater kurz vorher für gute Noten belohnt hatte. Es zeichnete die guten Haselnusskrapfen, die Vitrine und die Serviermädchen mit den weißen Häubchen. Die Zeichnung gefiel dem Lehrer sehr gut, dem Schuldirektor jedoch, der die Zeichnungen kontrollierte, weniger. Er geriet über das Konditorbild völlig aus der Fassung, da derartige "primitive" Zeichnungen im Lehrplan nicht vorgesehen waren. Das Blatt des Mädchens landete im Mistkübel, der Lehrer der Privatschule in der Währinger Wallnerstraße wurde entlassen und musste - nun arbeitslos geworden - vom Verkauf seiner Zeichnungen leben. Der Name des Ex-Lehrers und nun freischaffenden Künstlers war: Oskar Kokoschka.

 



Im Zeitgeist


Das altbewährte Angebot wurde von Susanna und Otto Beranek, und seit 1992 von deren Sohn Robert Beranek und Tochter Andrea Rosner, ständig erweitert. Von der Dobosch- über die Slukatorte bis hin zu saisonal abgestimmten Petit-Fours und - ganz neu - auch glutenfreie und laktosefreie Süßspeisen reicht die Palette der Conditorei Sluka.

 

Bei den Gästen überaus beliebt sind auch die "pikanten Leckereien", die von exquisit belegten Brötchen bis hin zu feinen Pasteten und warmen Gerichten reichen und von Leomare Qualtinger in einer Kurier-Kolumne so beschrieben wurden:

 

" Das faszinierende Buffet, gesalzen oder süß, es ist alles da! Die wunderschön angerichteten Vorspeisen, vom Roastbeef über Landschinken bis zu Filet Mignon, machen Gusto auf Rehrücken oder Lungenbraten à la Wellington oder Wurzelkarpfen. Vom Gravad Lachs, der Schinkenrolle oder dem pikanten Hühnersalat isst man sich durch bis zu den Petit Fours oder dem berühmten Apfelstrudel, den listige Bräute heimtragen und überbacken, um ihn als Eigenprodukt auszugeben."

 

Der Wahlspruch der Cafe Conditorei Sluka, deren Name für Güte, Qualität und Exklusivität stand und steht lautet unverändert: "Altes erhalten, Neues kreieren".


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